FC Barcelona
Veröffentlicht in

Barça-PSG-Comeback 2017: das 6:1 im Camp Nou

8. März 2017, Camp Nou. 88. Minute des Champions-League-Achtelfinal-Rückspiels gegen Paris Saint-Germain. Barça führt in der Gesamtwertung mit 3:1, hat das Hinspiel jedoch mit 0:4 verloren. Das europäische Abenteuer scheint beendet zu sein. Neymar schießt einen Freistoß aus 25 Metern, der Ball landet im Winkel. 4:1. Drei Minuten später verwandelt er einen Elfmeter (5:1). In der Nachspielzeit, in der 95. Minute, schiebt Sergi Roberto eine Vorlage von Neymar ins Tor. 6:1. Das Camp Nou ist in Aufruhr. Remontada gelungen.

Dieser Abend am 8. März 2017 bleibt einer der verrücktesten in der Geschichte der Champions League und des modernen Fußballs. Noch nie zuvor hatte eine Mannschaft im Achtelfinale eines europäischen Wettbewerbs einen 0:4-Rückstand aufgeholt. Dieser Artikel zeichnet Minute für Minute jene Nacht nach, die den Begriff „Remontada“ in das Vokabular des Weltfußballs aufgenommen hat.

PSG-Comeback 2017, Foto vom Stadion
Camp Nou, FC Barcelona

Das 4:0 im Parc des Princes, 14. Februar 2017

14. Februar 2017, Parc des Princes. Paris Saint-Germain empfängt den FC Barcelona zum Hinspiel des Achtelfinals. Der Abend wird für die Katalanen zum Albtraum. Angel Di María erzielt in der 18. Minute einen meisterhaften Freistoßtreffer, Julian Draxler erhöht in der 40. Minute auf 2:0. In der zweiten Halbzeit bauen Di María und Edinson Cavani die Führung weiter aus. Endstand: 4:0 für PSG.

Die europäische Presse schreibt Barça bereits ab. Noch nie hat eine Mannschaft im Achtelfinale der Champions League einen solchen Rückstand aufgeholt. Die Buchmacher setzen die Katalanen mit Rekordquoten für das Weiterkommen an. Barça hingegen muss diese sportliche Schmach verkraften, bevor es drei Wochen später im Camp Nou erneut gegen PSG antritt.

Luis Enrique, damals Trainer von Barça, weigert sich öffentlich, sich geschlagen zu geben. „Wenn uns jemand mit 4:0 schlagen kann, können wir ihnen sechs Tore einschenken“, erklärt er auf einer Pressekonferenz. Kaum jemand nimmt ihn ernst. Zum Hintergrund der damaligen Situation bei Barça lesen Sie bitte unseren Artikel über Messi bei Barça.

Vor der Rückkehr: Druck und Berechnungen

Um sich zu qualifizieren, muss Barça mit mindestens vier Toren Unterschied gewinnen, ohne selbst ein Gegentor zu kassieren, oder noch mehr Tore erzielen, falls PSG trifft (in diesem Fall würde die Auswärtstorregel greifen). Rechnerisch möglich, sportlich jedoch nahezu unmöglich gegen eine Pariser Mannschaft, die voller Selbstvertrauen ist und über ein Offensivtrio aus Cavani, Di María und Draxler in Bestform verfügt.

Am Morgen des 8. März 2017 herrscht in Barcelona eine seltsame Stimmung. Die Fans glauben daran und glauben es doch nicht. In den Medien wird vor allem über die taktische Herausforderung gesprochen, kaum über die tatsächlichen Chancen auf ein Weiterkommen. Das Camp Nou ist ausverkauft, 96.290 Zuschauer sind zum Anpfiff anwesend. Der Lärm setzt sofort ein, laut, intensiv und anhaltend.

Was die Aufstellung betrifft, stellt Luis Enrique ein offensives 3-4-3 auf, mit Suárez, Messi und Neymar im Sturm, Iniesta und Rakitić im Mittelfeld, Sergi Roberto und Jordi Alba auf den Außenbahnen sowie Piqué und Mascherano in der Innenverteidigung. Die taktische Idee ist einfach: frühes Pressing, Ballbesitz sichern, möglichst viele Ecken und Standardsituationen herausholen, um im Strafraum den Unterschied zu machen.

Das Camp Nou in der Nacht der Remontada
Das Camp Nou in der Nacht der Remontada

Erste Halbzeit: Das 2:0 der Hoffnung

Das Spiel beginnt für Barça wie im Traum. Bereits in der 3. Minute erzielt Suárez per Kopf nach einem Freistoß den Führungstreffer. Das Camp Nou tobt. Fünf Minuten später gerät PSG ins Wanken. In der 40. Minute erzielt Layvin Kurzawa nach einer Flanke von Andrés Iniesta ein Eigentor. 2:0 zur Halbzeit. Das Weiterkommen ist noch in weiter Ferne (es fehlen zwei Tore), doch die Hoffnung kehrt zurück.

Die zweite Halbzeit beginnt im gleichen Tempo. In der 50. Minute verwandelt Messi einen Elfmeter, der nach einem Foul an Neymar zugesprochen wurde. Mit einem Spielstand von 3:0 liegt Barça nur noch ein Tor vom Ausgleich in der Gesamtwertung zurück, muss aber noch ein weiteres Tor erzielen, um weiterzukommen (aufgrund des Auswärtstors von PSG im Falle eines Unentschiedens). Der Druck auf die Pariser wächst.

In den folgenden 30 Minuten drängte Barça nach vorne, scheiterte jedoch an der tief stehenden Abwehr von PSG. Edinson Cavani verfehlte bei mehreren Kontern nur knapp das Tor. Die Katalanen zeigten erste Ermüdungserscheinungen. In der 62. Minute wendete sich das Blatt.

Cavanis Tor und die gefährdete Aufholjagd

62. Minute. Edinson Cavani verwertet erfolgreich eine von Marc-André ter Stegen abgewehrte Flanke. Es steht 3:1, und aufgrund der Auswärtstorregel muss Barça nun innerhalb von weniger als 30 Minuten drei weitere Tore erzielen, um sich zu qualifizieren. Im Camp Nou herrscht Stille. Viele Fans betrachten das Abenteuer als beendet.

Die folgenden Minuten gestalten sich schwierig. PSG begnügt sich mit der Verteidigung, Barça stürmt nach vorne, verliert den Ball und verpasst seine Kombinationen. In der 75. Minute steht es immer noch 3:1. Keine Mannschaft in der Geschichte der Champions League hat jemals in dieser späten Phase des Spiels ein solches Blatt noch gewendet.

Luis Enrique bringt André Gomes und anschließend Paco Alcácer ins Spiel. Barça versucht es mit zahlreichen Flanken, Standardsituationen und Fernschüssen. Neymar dribbelt, setzt den Gegner unter Druck und rennt. Doch die Zeit läuft davon. In der 87. Minute steht es immer noch unentschieden. PSG bereitet sich darauf vor, ein historisches Weiterkommen zu feiern.

Sergi Roberto, der Treffer zur „Remontada“ in der 95. Minute
Sergi Roberto, der Treffer zur „Remontada“ in der 95. Minute

Die letzten sieben Minuten: drei Tore

88. Minute. Freistoß aus 25 Metern für Barça. Neymar legt den Ball auf, tritt zurück und schießt mit dem rechten Fuß einen Hakenball. Der Ball beschreibt eine perfekte Flugbahn und landet genau in der oberen Ecke. 4:1. Das Camp Nou tobt. Doch es fehlen noch zwei Tore in weniger als fünf Minuten.

90. Minute, erste Minute der Nachspielzeit. Suárez geht nach einem Kontakt mit Marquinhos im Strafraum zu Boden. Der deutsche Schiedsrichter Deniz Aytekin entscheidet auf Elfmeter. Eine umstrittene Entscheidung, die jedoch bestätigt wird. Neymar verwandelt den Elfmeter eiskalt. 5:1. Barça fehlt noch ein Tor zum Weiterkommen. Noch drei Minuten auf der Uhr, die der Schiedsrichter nachlegt.

Das Camp Nou tobt. Die Pariser brechen psychisch ein. Der Ball kommt nicht mehr aus ihrer Hälfte heraus. In der 93. Minute gibt es eine letzte Ecke für Barça. Neymar flankt in den Strafraum, der Ball wird abgefälscht und treibt im Gewühl umher. Niemand schiebt ihn ins Tor. Die Sekunden vergehen.

Sergi Roberto und das 6:1 in der Nachspielzeit

95. Minute. Barça stürmt ein letztes Mal in den Pariser Strafraum. Neymar nimmt den Ball an der 30-Meter-Linie an, hebt den Kopf und spielt einen millimetergenauen Querpass zum zweiten Pfosten, wo Sergi Roberto auftaucht. Der Katalane, von Haus aus Außenverteidiger und nun als Mittelfeldspieler eingesetzt, schiebt den Ball mit dem rechten Fuß ins Tor. 6:1. Das Camp Nou tobt wie nie zuvor.

Der Gesamtscore lautet nun 6:5 für Barça. Mit diesem letzten Tor überholen die Katalanen PSG endlich im Gesamtergebnis beider Spiele. Wenige Sekunden später pfeift der Schiedsrichter das Spiel ab. Die Aufholjagd ist vollbracht. Drei Tore in sieben Minuten, um das scheinbar Unmögliche noch zu schaffen.

Die Bilder gehen um die Welt. Neymar weint vor Freude auf dem Rasen, Suárez bricht zusammen, Iniesta sinkt auf die Knie. Das Camp Nou bebt wie selten zuvor. Zum historischen Hintergrund des Stadions lesen Sie unseren Artikel über die Geschichte des Camp Nou. Dieser Abend nimmt sofort seinen Platz in der Vereinsgeschichte ein.

Der FC Barcelona nach der historischen Aufholjagd
Der FC Barcelona nach der historischen Aufholjagd

Die Folgen: Neymar und die weitere Entwicklung

Über das Spiel hinaus hatte die Aufholjagd mehrere unmittelbare Folgen. Sportlich gesehen qualifizierte sich Barça zwar für das Viertelfinale, schied jedoch gegen Massimiliano Allegris Juventus Turin aus (3:0 in Turin, 0:0 in Barcelona). Der Verein gewann in dieser Saison trotz der Glanzleistung im Achtelfinale nicht die Champions League.

Für den PSG ist das Trauma tiefgreifend. Fünf Monate später verpflichtet der Pariser Verein Neymar für 222 Millionen Euro – eine Summe, die in der Geschichte des Transfergeschäfts bis dahin beispiellos war. Der Brasilianer verlässt Barça im Sommer 2017 in einer angespannten Atmosphäre. Der Weggang von Neymar, der gerade diese legendäre Aufholjagd vollbracht hatte, wird als einer der umstrittensten Transfers der modernen Fußballgeschichte in Erinnerung bleiben.

Für Luis Enrique ist dieses Spiel einer der Höhepunkte seiner Zeit als Trainer. Er wird den Verein, wie schon seit Langem geplant, am Ende der Saison verlassen, nachdem er in seiner ersten Saison die Liga, den Pokal und die Champions League gewonnen hat (Triple 2014–2015). Für einen umfassenderen Überblick über das moderne Barça lesen Sie bitte unseren Artikel zur Geschichte des FC Barcelona.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 14. Februar 2017 gewann PSG im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League im Parc des Princes mit 4:0 gegen den FC Barcelona.
  • Am 8. März 2017 gewann Barça im Camp Nou das Rückspiel mit 6:1, dank Toren von Suárez (3.), Kurzawa (Eigentor, 40.), Messi (50., Elfmeter), Neymar (88., Freistoß, und 90.+1, Elfmeter) sowie Sergi Roberto (90.+5).
  • Cavani hatte in der 62. Minute für PSG getroffen, wodurch der Spielstand auf 3:1 verkürzt wurde und sich das Weiterkommen erheblich erschwerte.
  • Das Gesamtergebnis lautet 6:5 für Barça, das sich damit für das Viertelfinale qualifiziert.
  • Schiedsrichter des Rückspiels war der Deutsche Deniz Aytekin.
  • Barça erzielte in den letzten sieben Minuten des Spiels drei Tore (88., 90.+1, 90.+5).
  • Fünf Monate später verpflichtete PSG Neymar für 222 Millionen Euro – ein absoluter Weltrekord.

Weiterführende Informationen

Diese Aufholjagd reiht sich in die lange Geschichte der großen Abende des FC Barcelona ein. Wenn Sie mehr erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen unsere Artikel über die Geschichte des Camp Nou, über Messi beim FC Barcelona, über das historische Triple von 2009 und über die gesamte Geschichte des FC Barcelona.

Häufig gestellte Fragen

Wie lautete das Ergebnis im Hinspiel des Achtelfinals zwischen PSG und Barça im Jahr 2017?

Am 14. Februar 2017 gewann Paris Saint-Germain im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League im Parc des Princes mit 4:0 gegen den FC Barcelona. Die Tore erzielten Di María (18. Minute per Freistoß, 55. Minute), Draxler (40. Minute) und Cavani (72. Minute). Barça schien praktisch ausgeschieden zu sein.

Wie hat Barça im Rückspiel sechs Tore erzielt?

Am 8. März 2017 im Camp Nou: Suárez (3.), Kurzawa (Eigentor, 40.), Messi (50., per Elfmeter), Neymar (88., per Freistoß), Neymar (90.+1, per Elfmeter) und Sergi Roberto (90.+5, nach Flanke von Neymar). Endstand 6:1, wobei drei Tore in den letzten sieben Minuten fielen.

Warum spricht man von einer „Remontada“?

„Remontada“ ist das spanische Wort für eine Aufholjagd, insbesondere im Sport. Seit dem 8. März 2017 ist es untrennbar mit dem Spiel zwischen Barça und PSG verbunden. Heute ist es ein Begriff, der in den allgemeinen Sprachgebrauch des weltweiten Fußballs eingegangen ist, um eine solche Glanzleistung zu bezeichnen.

Hat Barça in jenem Jahr die Champions League gewonnen?

Nein, trotz der Glanzleistung im Achtelfinale schied Barça im Viertelfinale gegen Juventus Turin aus (0:3 im Hinspiel, 0:0 im Rückspiel). Der Champions-League-Titel 2016/2017 ging an Real Madrid, das im Finale in Cardiff mit 4:1 gegen Juventus gewann.

Was ist aus Neymar nach der Aufholjagd geworden?

Fünf Monate nach der „Remontada“, im Sommer 2017, wechselte Neymar vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain – ein Transfer im Wert von 222 Millionen Euro, der absolute Weltrekord. Der Wechsel des Brasilianers, des Helden jener verrückten Nacht, zu dem Verein, den er gerade ausgeschaltet hatte, bleibt eines der meistdiskutierten Ereignisse im modernen Fußball.

Lassen Sie den Geist der Remontada wieder aufleben

Die FC Barcelona-Kollektion ist im Shop erhältlich: Heimtrikot, Auswärtstrikot, Drittrikot, Spieler- und Fan-Version sowie Retro-Trikots, die an die großen europäischen Abende im Camp Nou erinnern.

Zur Kollektion „Barcelona“ →

Bestseller:
WARENKORB 0
Zuletzt angesehen 0