Ein weißes Trikot mit himmelblauen Streifen. Fünf Worte, die mehr als 125 Jahre visuelle Identität des Olympique Marseille zusammenfassen. Seit der Gründung des Vereins im Jahr 1899 hat sich die Grundgestaltung des Olympique-Trikots kaum verändert: ein weißer Hintergrund, inspiriert von der Stadtflagge, verziert mit himmelblauen Akzenten, die es in jedem Stadion Europas sofort erkennbar machen.
Doch hinter dieser grafischen Kontinuität erzählt die Geschichte des OM-Trikots auch die Geschichte eines Vereins, der die Entwicklung des modernen Fußballs mitgeprägt hat. Wechselnde Ausrüster, großflächig präsente Sponsoren, immer gewagtere Ausweichtrikots, die Rückkehr der Retro-Trikots bei den Fans: So haben die Weiß-Blauen von der Canebière die verschiedenen Epochen durchlaufen.
Der Ursprung der Farben Weiß und Blau
Als Olympique Marseille am 31. August 1899 gegründet wurde, begnügte sich der neue Sportverein nicht damit, einen Namen zu wählen, der an die antiken Spiele und die phokäischen Ursprünge der Stadt anknüpfte. Er wählte zudem ein Farbschema, das direkt an die Stadtflagge angelehnt war: einen weißen Hintergrund und ein himmelblaues Kreuz. Die Symbolik war sofort erkennbar, das Trikot wurde zu einer visuellen Erweiterung der Stadt.
Seit Jahrzehnten ist das Heimtrikot des OM im Wesentlichen weiß, mit einem blauen Rand, dessen Breite je nach Epoche variiert. Diese Schlichtheit hat einen Vorteil: Sie überdauert alle Modetrends, ohne altmodisch zu wirken. Bereits auf alten Schwarz-Weiß-Fotos aus den 1930er- und 1940er-Jahren ist dieses schlichte Design zu sehen, das sich fast unverändert auch auf den heutigen Trikots wiederfindet.
Himmelblau ist streng genommen keine Sekundärfarbe. Es handelt sich um eine Akzentfarbe, die am Kragen und an den Ärmeln zu finden ist, mal in Form vertikaler Streifen, mal als dezente Nadelstreifen. Es ist dieses Wechselspiel zwischen hellem Hintergrund und blauen Akzenten, das das Trikot von Olympique zu seinem Markenzeichen macht.
Das Wappen und das Motto „Droit Au But“
Auf der Brust des Trikots prangt das sofort erkennbare Wappen. Das Logo hat sich mehrfach weiterentwickelt, doch das zentrale Element ist geblieben: das Motto „Droit Au But“, das aus der Rugby-Abteilung des Vereins stammt und den offensiven Geist verkörpert, den der OM seit seinen Anfängen pflegt. Die in einigen Versionen ineinander verschlungenen Initialen „OM“ und der seit 1993 darüber angeordnete Stern vervollständigen das visuelle Erscheinungsbild.
Der Stern kam tatsächlich erst nach dem Gewinn der Europameisterschaft hinzu. Französische Vereine dürfen bei nationalen Titeln keinen Stern tragen, doch der OM hat sich dafür entschieden, seinen Stern als Hinweis auf den in München gewonnenen Champions-League-Pokal zu tragen. Ein in der Geschichte des französischen Fußballs einzigartiger Stern, den das Trikot stolz auf der rechten Seite des Logos trägt.

Die aufeinanderfolgenden Ausrüster
Der OM hatte im Laufe der Jahrzehnte mehrere bedeutende Ausrüster. Le Coq Sportif stattete den Verein um die Wende der 1970er Jahre aus, anschließend übernahm Adidas den Großteil der Tapie-Ära und darüber hinaus und entwarf insbesondere das historische Trikot für den Europapokal-Sieg von 1993. Reebok und Mizuno statteten den Verein Mitte der 1990er Jahre ebenfalls kurzzeitig aus, bevor Adidas langfristig zurückkehrte.
Jeder Ausrüster hat seine eigene Handschrift eingebracht: drei Adidas-Streifen an den Ärmeln, ergonomische Materialien, mehr oder weniger figurbetonte Schnitte, schweißableitende Eigenschaften. Doch alle haben sich an dieselbe Regel gehalten: Die Grundfarben Weiß und Himmelblau dürfen nicht vernachlässigt werden. Die Fans des OM gehören zu denjenigen, die der grafischen Identität ihres Vereins am meisten verbunden sind, und sie verzeihen keine Experimente, die zu weit von der Tradition abweichen.
Das Trikot von 1993: die absolute Ikone
Wenn ein Trikot des OM die gesamte Geschichte des Vereins verkörpern sollte, dann wäre es das aus der Saison 1992/1993. Es ist dieses weiße Adidas-Trikot mit marineblauen Streifen, das Basile Boli, Didier Deschamps, Marcel Desailly, Rudi Völler, Abedi Pelé und ihre Mannschaftskameraden am Abend des 26. Mai 1993 im Olympiastadion in München trugen. Das T-Shirt mit dem aufgedruckten Trikotsponsor Panasonic, der weite Schnitt der 1990er Jahre, die gestickten Details: Alles erinnert an jene Nacht, die den französischen Fußball auf den Kopf stellte.
Dieses Trikot ist heute eines der begehrtesten auf dem Markt für Vintage-Fußballbekleidung. Original-Exemplare erzielen auf dem Secondhand-Markt hohe Preise, und offizielle oder davon inspirierte Neuauflagen finden stets Abnehmer. Um zu verstehen, warum das so ist, muss man auf jene Nacht selbst zurückblicken: Unsere Analyse des Finales zwischen Olympique Marseille und dem AC Mailand beleuchtet den Kontext, der dieses Trikot zu einer Reliquie gemacht hat.
Die Sponsoren, die das Trikot geprägt haben
Das Trikotsponsoring hielt Ende der 1970er Jahre Einzug in den französischen Fußball. Beim OM haben sich im Laufe der Jahrzehnte mehrere Marken auf der Brust der Spieler abgewechselt. Panasonic begleitete den Verein während des Vierfachsiegs und des europäischen Triumphs Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre. Eurest, Parmalat und anschließend Ericsson übernahmen in den folgenden Jahren diese Rolle.
Seit den 2000er Jahren nehmen die Verträge zu und werden schneller verlängert: Neuf Telecom, Direct Énergie, BetClic, Intersport, Orange. In jüngerer Zeit zierten Uber Eats und anschließend CMA CGM, die legendäre Reederei aus Marseille, die Vorderseite des Trikots. Die Rückkehr von CMA CGM ins Rampenlicht im Jahr 2023 wurde von den Fans besonders begrüßt, denen es am Herzen liegt, ein Unternehmen aus Marseille mit ihrem Verein verbunden zu sehen.

Auswärts- und Ausweichtrikots: selbstbewusste Kühnheit
Auch wenn das Heimtrikot nach wie vor die unantastbare Ikone bleibt, hat sich der OM bei den Auswärts- und Ausweichtrikots nach und nach mehr Freiheit gegönnt. Tiefes Marineblau, Schwarz, Anthrazitgrau, Neongelb, Hellbeige, Motive, die vom Alten Hafen oder den Calanques inspiriert sind: In den letzten Jahren gab es zahlreiche Varianten, manchmal mit sehr markanten grafischen Akzenten.
Diese bewusste Kühnheit folgt sowohl einer Marketinglogik (die Anzahl der Sammlerstücke zu vervielfachen) als auch einer Realität des modernen Fußballs: Die Vereine tragen mittlerweile drei verschiedene Trikots pro Saison, ja sogar vier, wenn man die Sondereditionen mitzählt. Für einen Fan ist dies zudem eine Gelegenheit, Abwechslung in seinen Kleiderschrank zu bringen, ohne dabei die weiß-blaue Grundausstattung zu vernachlässigen.
Die Puma-Ära seit 2018
Seit der Saison 2018/2019 wird Olympique Marseille von Puma ausgestattet. Die deutsche Marke hat nach einer langjährigen Partnerschaft die Nachfolge von Adidas angetreten. Die Puma-Trikots zeichnen sich durch ein zeitgemäßeres Design, technischere Materialien und eine für den Ausrüster aus Herzogenaurach typische, figurbetonte Passform aus. Das Himmelblau wurde je nach Saison in leicht unterschiedlichen Nuancen neu interpretiert, mal eher marineblau, mal eher türkis.
Puma hat zudem zahlreiche Sondereditionen und Kooperationen auf den Markt gebracht. Ausgefallene Ausweichtrikots, limitierte Kollektionen und Serien, die sich an den Kultjahren des Vereins orientieren: Die Marke hat erkannt, dass der OM ebenso sehr ein Modeobjekt wie ein Fußballverein ist, und hat sowohl auf Sammlerstücke als auch auf Sportbekleidung gesetzt.

Retro-Trikots: Erinnerung zum Anziehen
Der Markt für Retro-Trikots hat in den letzten Jahren einen Boom erlebt, und der OM ist einer der beliebtesten Vereine. Die Fans möchten das Trikot des europäischen Titelgewinns von 1993 tragen, das des Vierfachsiegs von 1989–1992, manchmal sogar die älteren Versionen aus den 1970er Jahren, aus der Zeit von Skoblar und Magnusson. Diese Stücke erzählen von einer Epoche, einem Spieler, einer ganz bestimmten Erinnerung.
Das Interesse an diesen Trikots hat sich weit verbreitet. Jüngere Fans, die München 1993 nicht miterlebt haben, betrachten diese Kleidungsstücke als kulturelle Objekte, genau wie eine Schallplatte oder ein Vintage-T-Shirt. Für die Älteren ist es eine Möglichkeit, bestimmte Erinnerungen wieder aufleben zu lassen: das Finale in Bari, das Tor von Boli, die europäischen Abende im Stade Vélodrome.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Heimtrikot des OM ist seit der Gründung des Vereins im Jahr 1899 weiß mit himmelblauen Streifen, in Anlehnung an die Flagge von Marseille.
- Das Wappen trägt das Motto „Droit Au But“, das von der Rugby-Abteilung des Sportvereins übernommen wurde.
- Ein einzelner Stern auf dem Trikot erinnert an den Champions-League-Sieg von 1993, den einzigen großen europäischen Titel eines französischen Vereins.
- Mehrere Ausrüster haben den Verein ausgestattet, darunter Le Coq Sportif, Adidas (während des größten Teils der Tapie-Ära und weit darüber hinaus), Reebok, Mizuno und seit 2018 Puma.
- Das Adidas-Trikot der Saison 1992/1993 mit dem Sponsor Panasonic gilt nach wie vor als das absolute Aushängeschild des Vereins.
- Der derzeitige Trikotsponsor ist CMA CGM, die in Marseille ansässige Reederei.
- Die Retro-Trikots des OM (1993, 1989–1992, 1970er Jahre) gehören zu den begehrtesten auf dem Markt für Vintage-Fußballbekleidung.
Weiterführende Informationen
Um das Trikot in seinen sportlichen Kontext einzuordnen, lesen Sie unseren vollständigen Rückblick auf den OM und unsere Analyse des Finales von München 1993. Was die Rivalitäten angeht, so beleuchtet unser Dossier zum „Classique“ zwischen OM und PSG die direkte Konkurrenz zwischen den beiden beliebtesten Trikots der Liga.
Häufig gestellte Fragen
Warum ist das Trikot des OM weiß und blau?
Die Farben entsprechen denen der Stadtflagge von Marseille: ein weißer Hintergrund und ein himmelblaues Kreuz. Der Verein hat dieses Design bereits bei seiner Gründung im Jahr 1899 übernommen und ist bei seinem Heimtrikot nie wirklich von diesem grafischen Grundmotiv abgewichen.
Warum befindet sich ein Stern auf dem Trikot des OM?
Der Stern steht für den Sieg in der Champions League am 26. Mai 1993 im Münchner Olympiastadion gegen den AC Mailand. Bis heute ist dies der einzige große europäische Titel eines französischen Vereins, und der OM ist der einzige Verein der Liga, der diesen Stern trägt.
Welcher Ausrüster liefert derzeit die Trikots für den OM?
Der OM wird seit der Saison 2018/2019 von Puma ausgestattet. Die deutsche Marke trat die Nachfolge von Adidas an, das den Verein während des größten Teils der Tapie-Ära und darüber hinaus ausgestattet hatte, darunter auch in der Saison 1992/1993, in der der Verein den Europapokal gewann.
Welches ist das kultigste Trikot in der Geschichte des OM?
Zweifellos das Heimtrikot der Saison 1992/1993, hergestellt von Adidas und mit dem Panasonic-Logo versehen. Es ist das Trikot, das Basile Boli trug, als er im Champions-League-Finale in München per Kopfball gegen den AC Mailand traf.
Was bedeutet das Motto „Droit Au But“ auf dem Wappen?
Das Motto stammt aus der Rugby-Abteilung des 1899 gegründeten Sportvereins. Es spiegelt den offensiven Geist wider, den der Verein seit jeher pflegt, und ist gut sichtbar auf dem Wappen zu sehen, das auf der Brust aller Trikots der Olympiques aufgenäht ist.
Das Trikot des OM haben wir im Laden
Heim-, Auswärts- und Ausweichtrikots, Spieler- und Fanversionen sowie Retro-Trikots, die an das Vierfach-Triple und den europäischen Titel erinnern: Die komplette Kollektion von Olympique Marseille finden Sie in unserem Shop.
